Japan 2007



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Tagebuch meines Japanaufenthaltes

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Woche 12 (17.11. - 23.11.)

Sonntag: Langsam aber unaufhaltbar neigt sich mein Aufenthalt in Japan schon wieder seinem Ende entgegen. Da ich bisher aufgrund meiner Arbeit aber noch nicht so viel von diesem schönen Land gesehen habe, habe ich mir noch eine Woche Urlaub gegönnt und zwei Fahrten nach Kyoto und Tokyo geplant.

Was der Reiseführer so über Tokyo zu berichten hat: "Die alte Kaiserstadt ist eines der bedeutensten, wenn nicht das bedeutenste Reiseziel Japans. Alljährlich pilgern Millionen und Abermillionen von Touristen aus dem In- und Ausland hierher. Trotzdem hat Kyoto sich viel von der alten Atmosphäre bewahrt, was auch daher rührt, dass es - als einzige japanische Millionenstadt - im Zweiten Weltkrieg unversehrt geblieben ist."

Los ging meine Reise am frühen Sonntag morgen. Da ich mir die teure Fahrt mit dem Shin-Kansen aber nicht leisten wollte und außerdem die Landschaft ein wenig genießen wollte, bin ich auf die wesentlich günstigeren Regionalbahnen umgestiegen. Nach ca. 8 Stunden Fahrt mit einigen Zwischenstationen und mehrmaligem Umsteigen (was trotz englischer Hinweisschilder bisweilen immer wieder spannend wurde) bin ich dann schließlich in Kyoto angekommen, wo ich mich ins Kyoto Hostel Backpackers einquatiert habe. Dort habe ich Pierre und Martin kennengelernt, die an der TU München arbeiten und gerade von einer Tagung in Nara angekommen waren. Zusammen haben wir einen ersten kleinen Rundgang durch die Stadt gemacht.

Montag: Heute ging es mit Pierre und Martin auf Erkundungstour durch Kyoto. Zuerst sind wir zum Nijo - jo Castle gefahren, wo wir eine kleine Führung mitgemacht haben. Dann ging es weiter zu einem der berühmtesten Bauwerke von Kyoto, dem Kinkakuji Tempel, der komplett mit Gold überzogen ist. Leider haben berühmte Plätze in Japan auch immer die Eigenschaft, dass sie ziemlich überfüllt sind und zwar nicht etwa mit ausländischen Touristen, sondern überwiegend mit Japanern, die hier auch gerne ihre Tagesausflüge unternehmen. Und so wurde die Jagd nach einem guten Photo zu einer echten Herausforderung und ich ein wenig genervt. Als nächstes ging es weiter zum Ryoan - ji Tempel, der für seinen Steingarten bekannt ist. Als wir uns dort auch umgeschaut hatten, machte sich langsam der Hunger bemerkbar, so dass wir in einem kleinen japanischen Restaurant einen Zwischenstopp eingelegt haben. Und dann ging es auch schon wieder weiter und zwar zum Kiyomizu - dera Tempel. Da es mittlerweile schon dunkel war, wurden die Tempelanlagen iluminiert, so dass sie bei Nacht ein ganz besonders schönes Bild boten und ich mir sehr lange zeit genommen habe um das Gelände zu erkunden und ein paar besonders schöne Einstellungen für meine Kamera zu testen. Danach ging es zurück zum Backpackers und von dort nach einem kleinen Imbiss in einem "Running Sushi Laden" noch zu einem kleinen Absacker in die A-Bar, die uns der "Lonely Planet" als Geheimtipp empfohlen hatte und der sich auch als solcher entpuppte. Und so nahm ein anstrengender, aber auch schöner Tag sein Ende.

Dienstag: Heute habe ich einen Tagesausflug nach Nara unternommen, dass knapp 80 Kilometer von Kyoto entfernt ist. Nara ist bekannt für seine unglaublich große Zahl an Tempeln und anderen sehenswerten Heiligtümern. Mein Tipp: Wenn man wenig Zeit hat nur zwei bis drei Highlights herauspicken, anstatt von Tempel zu Tempel zu hetzen! Ich habe mir die fünfstöckige Pagode (die zweithöchste Japans mit 50 Metern), die Halle des Großen Buddha (das größte Holzgebäude der Welt und die größte Statue Japans) und den Nara-Park (berühmt für seine zahmes Rotwild) angeschaut. Es lohnt sich wirklich, aber man sollte unbedingt einen ganzen Tag einplanen, wenn man hier unterwegs ist!

Mittwoch: Der letzte Tag meines Aufenthaltes in Kyoto. Nachdem ich aus dem Backpackers ausgecheckt hatte, habe ich mir noch die Pagode von Kyoto angeschaut und bin anschließend per Regionalexpress wieder zurück nach Iwata gefahren, wo ich aber nur meinen Rucksack umgepackt habe, da schon am nächsten Tag meine nächste Reise geplant war, die den krönenden Abschluss meines Aufenthaltes in Japan bildet. Das Reiseziel diesmal: Tokyo!

Donnerstag: Früh ging es weder zum Bahnhof von Iwata, von wo aus ich mich auf die etwa 3,5 stündige fahrt mit dem Regionalzug nach Tokyo begeben habe. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll ... Tokyo ist einfach eine riesige Stadt und es gibt quasi an jeder Ecke etwas neues zu entdecken. Meine erste Aufgabe nach der Ankunftbestand darin, meinen Backpacker zu finden, ohne mich dabei in dem riesigen U-Bahnsystem zu verfahren. Gott sei Dank war ich außerhalb des Berufsverkehrs unterwegs, schließlich ist Tokyo berüchtigt für seine überfüllten U-Bahnen. Nachdem ich mich nach dem ersten Schreck etwas in den U-Bahnplan eingearbeitet habe, habe ich schließlich meine erste Station und schließlich auch meinen Backpacker gefunden. Nach dem Einchekcen, habe ich mich erst mal ein bißchen in der Umgebung des Backpackers umgeschaut und ein paar Kleinigkeiten für die nächsten Tage gekauft. Zurück im Backpackers, habe ich meine Zimmergenossen Anthony und Skott (aus Down Under, was für ein Zufall) und Eva (aus dem schönen Bayern) kennengelernt. Da alleine reisen doof ist, haben wir gemeinsam ein Besichtigungsprogramm für den nächsten Tag ausgearbeitet und anschließend den Abend bei einem (naja, vielleicht waren es auch zwei mehr) Bierchen in einer kleinen japanischen Bar verbracht.

Freitag: Am nächsten Morgen ging es früh raus und nach einem stärkenden Frühstück mit der obligatorischen Tasse Kaffee haben wir uns aufgemacht, Tokyo zu erkunden. Unser erstes Ziel war der Fernsehturm, der mich seltsamerweise irgendwie an den Eifelturm in Paris erinnerte ... ob da jemand geklaut hat? Naja, jedenfalls mussten wir am Anfang ziemlich lange suchen und uns mit dem japanischen U-Bahnsystem ärgern, nur um dann schließlich festzustellen, dass vor dem Eingang eine riesige Schlange von Touristen stand ... nein, keine Europäer, Australier oder sonstige Nationen, sondern fast ausschließlich Japaner! Seltsames Volk! Uns war die Schlange jedenfalls entschieden zu lang und der Eintitt zu teuer, weshalb wir als nächstes zum Mittagessen nach Hibiya gefahren sind. Dort gibt es kleine Imbisstände und sehr leckere gegrillte Sachen, die sich auch Japaner gerne zum Mittagessen einverleiben. Nach einer kleinen Stärkung ging es weiter über einen Zwischenstopp in Shinjuku zum Metropolitan Government Building, von dessen Aussichtsplattform man eine phantastische Aussicht über die Stadt hat. Häuser, so weit das Auge reicht! Und da es schn früh dunkel wurde, habend wir den Sonnenuntergang bei einer Tasse Kaffee bewundert, um anschließend die ganze Stadt noch einmal im Lichtermeer zu bestaunen. Umwerfend! Aber der Abend war ja noch lange nicht zu Ende und so ging es weiter nach Ginza, der berühmten Einkaufsmeile. Shoppen waren wir zwar nicht, aberwir hatten trotzdem jede Menge Spaß :-)

Langsam wurden wir etwas müde vom vielen Umherlaufen und so sind wir zurück zu unserem Backpacker gefahren. Dort angekommen, sahen wir, dass in unmittelbarer Nähe ein großes fest vor sich ging. Natürlich haben wir uns es nicht nehmen lassen dort noch einmal vorbeizuschauen. Ich habe zwar bis heute nicht herausbekommen, was da eigentlich gefeiert wurde, aber es war ziemlich beeindruckend, wie man hier sieht!


Woche 13 (24.11. - 29.11.)

Samstag & Sonntag: Am Samstag morgen stand trotz kurzer Nacht ein weiter Höhepunkt an. Früh morgens bin ich auf den Fischmarkt gefahren um mir das Gewusel dort anzuschauen und anschließend leckeres Sushi zu besorgen. Das Chaos war beeindruckend und ich musste mehrfach aufpassen um nicht von einem der zahllosen Händler überfahren zu werden. Aber das Aufstehen hat sich gelohnt, denn ich habe das wohl leckerste Sushi meines Lebens gegessen! Nach diesem Erlebnis bin ich weiter zum Kaiserpalast gefahren, den man aber leider nicht besichtigen darf. Deshalb ging es nach dem obligatorischen Photo weiter zum Ueno-Zoo, den ich mir (hauptsächlich wegen der Pandabären) angeschaut habe. Wieder zurück im Backpackers habe ich eine Gruppe Australier getroffen, die ein wenig Feiern wollten und natürlich habe ich ihre Einladung gerne angenommen und bin mit nach Roppongi (ein bekanntes Vergnügungsviertel für Touristen) gekommen. Nach einer langen Nacht, viel Bier und tollen Gesprächen ging es schließlich im Morgengrauen zurück zum Backpackers.

Am nächsten Morgen habe ich nach einem Katerfrühstück schweren Herzens schon wieder Abschied von Tokyo genommen, obwohl ich gerne noch viel länger gebleiben wäre. Aber die Arbeit (und meine Heimkehr nach Deutschland) rief und so gings zurück nach Iwata.

Montag: Heute bin ich zum Abschied von meinen Kollegen noch einmal zum Karaoke gegangen. Ich denke, ich brauche hier nicht zu erwähnen, wie das ganze ausgegangen ist, oder? Die Bilder vom letzten mal habt ihr ja sicher noch in Erinnerung ;-) Ich glaube, diese Art von Freizeitgestaltung werde ich in Deutschland mit Sicherheit sehr vermissen! [Hinweis: Link und Seiten entfernt]

Dienstag: An meinem vorletzten Abend wurde ich noch einmal von meinem Betreuer Dr. Arisawa und unserem Institutsleiter Dr. Jodo zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Dabei haben wir dann meinen Besuch in Japan und bei Mercian rekapituliert und ich habe einige meiner persönlichen Erfahrungen von meinen Tripps nach Kyoto und Tokyo und über die japanische Lebensweise allgemein zum Besten gegeben. Auch Dr. Jodo und Dr. Arisawa haben einige ihrer Erfahrungen von ihren Europareisen erzählt, was bei mir bisweilen ein kleines Schmunzeln hervorgerufen hat. Alles in allem war es mal wieder ein sehr schöner Abend und ein gelungener Abschluss meines Aufenthalts in Japan.

Mittwoch: Heute war mein letzter Arbeitstag bei Mercian. Nachdem ich Morgens meinen "Research-Report" eingereicht hatte, haben sich dann zu meinem Abschied noch einmal alle Mitarbeiter des Forschungslabors zu einem großen Gruppenphoto versammelt, bevor ich meine Abschiedsrunde durch die Labors gestartet habe. Bei vielen Kollegen ist mir der Abschied besonders schwer gefallen, weil man sich in drei Monaten doch ziemlich gut angefreundet hatte und neben der Arbeit auch viele Abende und Wochenenden zusammen verbracht hatte. Das hat mir meinen Abschied aus Japan schon sehr schwer gemacht und ich bin ein bißchen wehmütig geworden. Unten gibt es das Gruppenphoto mit den Labormitarbeitern. In der ersten Reihe seht ihr u.a. meinen Betreuer Dr. Arisawa (dritter von Links) und den Institutsleiter Dr. Jodo (ganz rechts).

Gruppenphoto mit meinen Kollegen von Mercian

 

Donnerstag, 29.11.07: Und schon waren drei Monate vorbei. Wie immer gingen die Tage mal wieder viel zu schnell rum. Aber es nützte nichts, heute stand mein Rückflug von Nagoya nach Frankfurt an. Das hieß für mich früh aufstehen, da der Flughafenbus von Iwata nach Nagoya schon um 6:30 Uhr abgefahren ist. Zwei meiner Kollegen und mein Betreuer haben mich dann noch zur Bushaltestelle gefahren, wo ich mich dann endgültig verabschiedet habe.

Da Rückflüge bekanntlich nicht besonders aufregend sind und es wie erwartet auch etwas Chaos beim Einchecken (Stichwort "Gepäcklimit") und zu allem Überfluss dann auch noch beim Umsteigen in Helsinki gab, beende ich meinen Tagebuchbericht an dieser Stelle.

Ich hoffe ihr konntet (und könnt) mit diesem Tagebuch einen kleinen Einblick in das Leben in Japan erhalten. Mir bleiben viele Erinnerungen (nicht nur in Form von knapp 1200 Bildern) an eine tolle Zeit, viele schöne Erfahrungen, neue Freundschaften und das gute Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben, dass ich sicherlich nicht so schnell vergessen werde!

Marco

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