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Woche 12 (17.11. - 23.11.)
Sonntag: Langsam aber unaufhaltbar neigt
sich mein Aufenthalt in Japan schon wieder seinem Ende entgegen.
Da ich bisher aufgrund meiner Arbeit aber noch nicht so viel
von diesem schönen Land gesehen habe, habe ich mir noch
eine Woche Urlaub gegönnt und zwei Fahrten nach Kyoto
und Tokyo geplant.
Was der Reiseführer so über Tokyo zu berichten
hat: "Die alte Kaiserstadt ist eines der bedeutensten,
wenn nicht das bedeutenste Reiseziel Japans. Alljährlich
pilgern Millionen und Abermillionen von Touristen aus dem
In- und Ausland hierher. Trotzdem hat Kyoto sich viel von
der alten Atmosphäre bewahrt, was auch daher rührt,
dass es - als einzige japanische Millionenstadt - im Zweiten
Weltkrieg unversehrt geblieben ist."
Los ging meine Reise am frühen Sonntag morgen. Da ich
mir die teure Fahrt mit dem Shin-Kansen aber nicht leisten
wollte und außerdem die Landschaft ein wenig genießen
wollte, bin ich auf die wesentlich günstigeren Regionalbahnen
umgestiegen. Nach ca. 8 Stunden Fahrt mit einigen Zwischenstationen
und mehrmaligem Umsteigen (was trotz englischer Hinweisschilder
bisweilen immer wieder spannend wurde) bin ich dann schließlich
in Kyoto
angekommen, wo ich mich ins Kyoto Hostel Backpackers einquatiert
habe. Dort habe ich Pierre und Martin kennengelernt, die an
der TU München arbeiten und gerade von einer Tagung in
Nara angekommen waren. Zusammen haben wir einen ersten kleinen
Rundgang durch die Stadt gemacht.
Montag: Heute ging es mit Pierre und
Martin auf Erkundungstour durch Kyoto. Zuerst sind wir zum
Nijo
- jo Castle gefahren, wo wir eine kleine Führung
mitgemacht haben. Dann ging es weiter zu einem der berühmtesten
Bauwerke von Kyoto, dem Kinkakuji
Tempel, der komplett mit Gold überzogen ist.
Leider haben berühmte Plätze in Japan auch immer
die Eigenschaft, dass sie ziemlich überfüllt sind
und zwar nicht etwa mit ausländischen Touristen, sondern
überwiegend mit Japanern, die hier auch gerne ihre Tagesausflüge
unternehmen. Und so wurde die Jagd nach einem guten Photo
zu einer echten Herausforderung und ich ein wenig genervt.
Als nächstes ging es weiter zum Ryoan
- ji Tempel, der für seinen Steingarten bekannt
ist. Als wir uns dort auch umgeschaut hatten, machte sich
langsam der Hunger bemerkbar, so dass wir in einem kleinen
japanischen Restaurant einen Zwischenstopp eingelegt haben.
Und dann ging es auch schon wieder weiter und zwar zum Kiyomizu
- dera Tempel. Da es mittlerweile schon dunkel war,
wurden die Tempelanlagen iluminiert, so dass sie bei Nacht
ein ganz besonders schönes Bild boten und ich mir sehr
lange zeit genommen habe um das Gelände zu erkunden und
ein paar besonders schöne Einstellungen für meine
Kamera zu testen. Danach ging es zurück zum Backpackers
und von dort nach einem kleinen Imbiss in einem "Running
Sushi Laden" noch zu einem kleinen Absacker in die A-Bar,
die uns der "Lonely Planet" als Geheimtipp empfohlen
hatte und der sich auch als solcher entpuppte. Und so nahm
ein anstrengender, aber auch schöner Tag sein Ende.
Dienstag: Heute habe ich einen Tagesausflug
nach Nara
unternommen, dass knapp 80 Kilometer von Kyoto entfernt ist.
Nara ist bekannt für seine unglaublich große Zahl
an Tempeln und anderen sehenswerten Heiligtümern. Mein
Tipp: Wenn man wenig Zeit hat nur zwei bis drei Highlights
herauspicken, anstatt von Tempel zu Tempel zu hetzen! Ich
habe mir die fünfstöckige Pagode
(die zweithöchste Japans mit 50 Metern), die Halle
des Großen Buddha (das größte Holzgebäude
der Welt und die größte Statue Japans) und den
Nara-Park (berühmt für seine zahmes Rotwild)
angeschaut. Es lohnt sich wirklich, aber man sollte unbedingt
einen ganzen Tag einplanen, wenn man hier unterwegs ist!
Mittwoch: Der letzte Tag meines Aufenthaltes
in Kyoto. Nachdem ich aus dem Backpackers ausgecheckt hatte,
habe ich mir noch die Pagode von Kyoto angeschaut und bin
anschließend per Regionalexpress wieder zurück
nach Iwata gefahren, wo ich aber nur meinen Rucksack umgepackt
habe, da schon am nächsten Tag meine nächste Reise
geplant war, die den krönenden Abschluss meines Aufenthaltes
in Japan bildet. Das Reiseziel diesmal: Tokyo!
Donnerstag: Früh ging es weder zum
Bahnhof von Iwata, von wo aus ich mich auf die etwa 3,5 stündige
fahrt mit dem Regionalzug nach Tokyo
begeben habe. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll
... Tokyo ist einfach eine riesige Stadt und es gibt quasi
an jeder Ecke etwas neues zu entdecken. Meine erste Aufgabe
nach der Ankunftbestand darin, meinen Backpacker zu finden,
ohne mich dabei in dem riesigen U-Bahnsystem zu verfahren.
Gott sei Dank war ich außerhalb des Berufsverkehrs unterwegs,
schließlich ist Tokyo berüchtigt für seine
überfüllten U-Bahnen. Nachdem ich mich nach dem
ersten Schreck etwas in den U-Bahnplan eingearbeitet habe,
habe ich schließlich meine erste Station und schließlich
auch meinen Backpacker gefunden. Nach dem Einchekcen, habe
ich mich erst mal ein bißchen in der Umgebung des Backpackers
umgeschaut und ein paar Kleinigkeiten für die nächsten
Tage gekauft. Zurück im Backpackers, habe ich meine Zimmergenossen
Anthony und Skott (aus
Down Under, was für ein Zufall) und Eva (aus
dem schönen Bayern) kennengelernt. Da alleine reisen
doof ist, haben wir gemeinsam ein Besichtigungsprogramm für
den nächsten Tag ausgearbeitet und anschließend
den Abend bei einem (naja, vielleicht waren es auch zwei mehr)
Bierchen in einer kleinen japanischen Bar verbracht.
Freitag: Am nächsten Morgen ging
es früh raus und nach einem stärkenden Frühstück
mit der obligatorischen Tasse Kaffee haben wir uns aufgemacht,
Tokyo zu erkunden. Unser erstes Ziel war der Fernsehturm,
der mich seltsamerweise irgendwie an den Eifelturm in Paris
erinnerte ... ob da jemand geklaut hat? Naja, jedenfalls mussten
wir am Anfang ziemlich lange suchen und uns mit dem japanischen
U-Bahnsystem ärgern, nur um dann schließlich festzustellen,
dass vor dem Eingang eine riesige Schlange von Touristen stand
... nein, keine Europäer, Australier oder sonstige Nationen,
sondern fast ausschließlich Japaner! Seltsames Volk!
Uns war die Schlange jedenfalls entschieden zu lang und der
Eintitt zu teuer, weshalb wir als nächstes zum Mittagessen
nach Hibiya
gefahren sind. Dort gibt es kleine Imbisstände und sehr
leckere gegrillte Sachen, die sich auch Japaner gerne zum
Mittagessen einverleiben. Nach einer kleinen Stärkung
ging es weiter über einen Zwischenstopp in Shinjuku zum
Metropolitan
Government Building, von dessen Aussichtsplattform
man eine phantastische Aussicht über die Stadt hat. Häuser,
so weit das Auge reicht! Und da es schn früh
dunkel wurde, habend wir den Sonnenuntergang bei einer Tasse
Kaffee bewundert, um anschließend die ganze Stadt noch
einmal im
Lichtermeer zu bestaunen. Umwerfend! Aber der Abend
war ja noch lange nicht zu Ende und so ging es weiter nach
Ginza,
der berühmten Einkaufsmeile. Shoppen waren wir zwar nicht,
aberwir hatten trotzdem jede Menge Spaß :-)
Langsam wurden wir etwas müde vom vielen Umherlaufen
und so sind wir zurück zu unserem Backpacker gefahren.
Dort angekommen, sahen wir, dass in unmittelbarer Nähe
ein großes fest vor sich ging. Natürlich haben
wir uns es nicht nehmen lassen dort noch einmal vorbeizuschauen.
Ich habe zwar bis heute nicht herausbekommen, was da eigentlich
gefeiert wurde, aber es war ziemlich beeindruckend, wie man
hier
sieht!
Woche 13 (24.11. - 29.11.)
Samstag & Sonntag: Am Samstag morgen
stand trotz kurzer Nacht ein weiter Höhepunkt an. Früh
morgens bin ich auf den Fischmarkt
gefahren um mir das Gewusel dort anzuschauen und anschließend
leckeres Sushi zu besorgen. Das Chaos war beeindruckend und
ich musste mehrfach aufpassen um nicht von einem der zahllosen
Händler überfahren zu werden. Aber das Aufstehen
hat sich gelohnt, denn ich habe das wohl leckerste
Sushi meines Lebens gegessen! Nach diesem Erlebnis
bin ich weiter zum Kaiserpalast
gefahren, den man aber leider nicht besichtigen darf. Deshalb
ging es nach dem obligatorischen Photo weiter zum Ueno-Zoo,
den ich mir (hauptsächlich wegen der Pandabären)
angeschaut habe. Wieder zurück im Backpackers habe ich
eine Gruppe Australier getroffen, die ein wenig Feiern wollten
und natürlich habe ich ihre Einladung gerne angenommen
und bin mit nach Roppongi
(ein bekanntes Vergnügungsviertel für Touristen)
gekommen. Nach einer langen Nacht, viel Bier und tollen Gesprächen
ging es schließlich im Morgengrauen zurück zum
Backpackers.
Am nächsten Morgen habe ich nach einem Katerfrühstück
schweren Herzens schon wieder Abschied von Tokyo genommen,
obwohl ich gerne noch viel länger gebleiben wäre.
Aber die Arbeit (und meine Heimkehr nach Deutschland) rief
und so gings zurück nach Iwata.
Montag: Heute bin ich zum Abschied von
meinen Kollegen noch einmal zum Karaoke gegangen. Ich denke,
ich brauche hier nicht zu erwähnen, wie das ganze ausgegangen
ist, oder? Die Bilder vom letzten mal habt ihr ja sicher noch
in Erinnerung ;-) Ich glaube, diese Art von Freizeitgestaltung
werde ich in Deutschland mit Sicherheit sehr vermissen! [Hinweis:
Link und Seiten entfernt]
Dienstag: An meinem vorletzten Abend
wurde ich noch einmal von meinem Betreuer Dr. Arisawa und
unserem Institutsleiter Dr. Jodo zum gemeinsamen Abendessen
eingeladen. Dabei haben wir dann meinen Besuch in Japan und
bei Mercian rekapituliert und ich habe einige meiner persönlichen
Erfahrungen von meinen Tripps nach Kyoto und Tokyo und über
die japanische Lebensweise allgemein zum Besten gegeben. Auch
Dr. Jodo und Dr. Arisawa haben einige ihrer Erfahrungen von
ihren Europareisen erzählt, was bei mir bisweilen ein
kleines Schmunzeln hervorgerufen hat. Alles in allem war es
mal wieder ein sehr schöner Abend und ein gelungener
Abschluss meines Aufenthalts in Japan.
Mittwoch: Heute war mein letzter
Arbeitstag bei Mercian. Nachdem ich Morgens meinen "Research-Report"
eingereicht hatte, haben sich dann zu meinem Abschied noch
einmal alle Mitarbeiter des Forschungslabors zu einem großen
Gruppenphoto versammelt, bevor ich meine Abschiedsrunde durch
die Labors gestartet habe. Bei vielen Kollegen ist mir der
Abschied besonders schwer gefallen, weil man sich in drei
Monaten doch ziemlich gut angefreundet hatte und neben der
Arbeit auch viele Abende und Wochenenden zusammen verbracht
hatte. Das hat mir meinen Abschied aus Japan schon sehr schwer
gemacht und ich bin ein bißchen wehmütig geworden.
Unten gibt es das Gruppenphoto mit den Labormitarbeitern.
In der ersten Reihe seht ihr u.a. meinen Betreuer Dr. Arisawa
(dritter von Links) und den Institutsleiter Dr. Jodo (ganz
rechts).

Donnerstag, 29.11.07: Und schon waren
drei Monate vorbei. Wie immer gingen die Tage mal wieder viel
zu schnell rum. Aber es nützte nichts, heute stand mein
Rückflug von Nagoya nach Frankfurt
an. Das hieß für mich früh aufstehen, da der
Flughafenbus von Iwata nach Nagoya schon um 6:30 Uhr abgefahren
ist. Zwei meiner Kollegen und mein Betreuer haben mich dann
noch zur Bushaltestelle gefahren, wo ich mich dann endgültig
verabschiedet habe.
Da Rückflüge bekanntlich nicht besonders aufregend
sind und es wie erwartet auch etwas Chaos beim Einchecken
(Stichwort "Gepäcklimit") und zu allem Überfluss
dann auch noch beim Umsteigen in Helsinki gab, beende ich
meinen Tagebuchbericht an dieser Stelle.
Ich hoffe ihr konntet (und könnt) mit diesem Tagebuch
einen kleinen Einblick in das Leben in Japan erhalten. Mir
bleiben viele Erinnerungen (nicht nur in Form von knapp 1200
Bildern) an eine tolle Zeit, viele schöne Erfahrungen,
neue Freundschaften und das gute Gefühl, etwas Besonderes
erlebt zu haben, dass ich sicherlich nicht so schnell vergessen
werde!
Marco
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